Normung Verpackungsmaschinen – Update August 2017

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Es tut sich was in der Sicherheitsnormung Verpackungsmaschinen. Wir informieren in diesem Update über ausgewählte Punkte dazu.

Im letzten Plenary Meeting des beim italienischen Normungsinstitut UNI beheimateten CEN/TC 146 CEN/TC 146 „Packaging machines – Safety“ Anfang März 2017 wurde beschlossen, einige Projekte auf den Weg zu bringen. Nachdem es dort zwischenzeitlich einen Wechsel des Sekretärs gab, wurden die betreffenden Schritte in den letzten Wochen doch recht zügig eingeleitet. Im Einzelnen:

-    EN 415-8, Umreifungsmaschinen
soll überarbeitet werden. Ein genauer Zeitplan dafür wurde nicht festgelegt. Der DIN-Normenausschuss Maschinenbau (NAM), Fachbereich Verpackungsmaschinen, angesiedelt in der Geschäftsstelle des VDMA Fachverbandes Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen, hat sich um das europäische Sekretariat der dafür neu zu gründenden WG 10 Strapping machines beworben. Damit verbunden ist die Position des europäischen convenors (Obmann), für die Herr Thomas Eich (MOSCA GmbH) gewonnen werden konnte, seinen „Hut in den Ring zu werfen“. Dies ergänzt die bereits erfolgte Wahl zum Obmann des nationalen Spiegelausschusses. Sowohl die Übernahme des neuen WG-Sekretariats als auch die Besetzung des convenors stehen im TC zur Abstimmung.

-    DIN 8743, Verpackungsmaschinen und Verpackungsanlagen - Kennzahlen
„Kennzahlen zur Charakterisierung des Betriebsverhaltens und Bedingungen für deren Ermittlung im Rahmen eines Abnahmelaufs“: Die Norm bzw. deren Anwendungsbereich und Inhalte sollen ins Programm des CEN/TC 146 aufgenommen werden. Die Arbeiten sollen in einer ebenfalls neuen WG 11 Efficiency and availability stattfinden, und auch hierfür hat die Geschäftsstelle des Fachverbands sich beworben. Als convenor wird, jeweils Zustimmung des CEN/TC 146 in der schriftlichen Abstimmung vorausgesetzt, Herr Dr. Peter Golz aus der Geschäftsstelle des Fachverbands fungieren, der schon dem nationalen Gremium zu dieser Norm vorsteht.

-    Sicherheitsnormung Verpackungsmaschinen insgesamt
Die vielleicht wichtigste Meldung betrifft die gesamte Sicherheitsnormung Verpackungsmaschinen. Nach umfangreichen Klärungen und Überlegungen in den entsprechenden Gremien, mit Mitgliedsunternehmen, mit „Playern“ der nationalen und europäischen Ebene sowie in Übersee hatte die Geschäftsstelle den italienischen Vorstoß unterstützt, die Normung auf ISO-Ebene zu heben. Das CEN/TC 146 schloss sich im Plenary dem Vorschlag an, und der betreffende Antrag wurde mittlerweile bei ISO zur Abstimmung verteilt. Nachdem im Plenary die CEN-Mitglieder UK, Frankreich, Schweden, Deutschland und Italien den Vorschlag unterstützt hatten, sowie die USA als Gast bei der Sitzung in jedem Fall Unterstützung bei ISO zugesagt hatten, bleibt zu hoffen, dass der Antrag auch bei ISO Zustimmung findet. Überlegungen, welche der bislang 10 und künftig mindestens 11 Normen dann ggf. zuerst und als „Versuchsballon“ angepackt werden, bestehen bereits; dennoch ist auch diesbezüglich noch nichts entschieden.

Abstimmungsende für alle drei genannten Vorgänge bei CEN bzw. ISO ist jeweils der 2. Bzw. 17. Oktober 2017. National sind bereits die zuständigen Gremien eingebunden und haben bzw. werden ihr Votum bis dahin abgeben, sofern noch erforderlich. Überraschungen werden dabei derzeit nicht erwartet. Dennoch muss man am Ende sehen, ob die Abstimmungsergebnisse wie beabsichtigt ausfallen.

Des Weiteren sind derzeit aktiv in der Bearbeitung:

-    EN 415-2, Verpackungsmaschinen für vorgefertigte formstabile Packmittel
Nachdem die Arbeiten auf Grund der notwendigen Beteiligung an den unten genannten Überarbeitungen für etwa ein Jahr ins Stocken geraten waren, geht es im Oktober 2017 weiter in der CEN/TC 146 WG1. Der nun vorgelegte Entwurf des convenors (Thomas Gangkofner, BGN Mannheim) ist im „neuen Design“, was Tabellen und Struktur der gerade bearbeiteten Normen der „neuen“ Generation“ der Reihe EN 415, die gerade überabreitet werden.

-    EN 415-3, Form- Füll und Verschließmaschinen
Die Norm befindet sich im „Endspurt“ auf dem Weg zur Umfrage (Enquiry). Vorausgegangen war eine durch die Geschäftsstelle organisierte Initiative, „Mandrel machines“ (Dornradmaschinen) in letzter Minute und gegen erklärten Widerstand und entsprechende Vorgehensweise des convenors wieder in den Text zu integrieren.
Zuvor war die Maschinengruppe mangels Input und gemäß Absichtserklärung, aber ohne abschließenden Beschluss einfach aus dem Text entfernt worden. Da die betroffenen Hersteller teilweise erst später in die Arbeiten einstiegen, war das zunächst nicht bemerkt worden. Mit den betroffenen Herstellern, unter Einbeziehung des Leiters des nationalen Gremiums (Robert Höge, MULTIVAC Sepp Haggenmüller SE & Co. KG), konnte in mehreren Sitzungen einer Ad-Hoc-Gruppe in „Rekordzeit“ und just in time ein geeigneter Textvorschlag erarbeitet werden. Der Vorschlag wurde, unterstützt durch die deutsche Delegation, sowie auf durch die Geschäftsstelle initiierten Beschluss des CEN/TC 146 in der letzten WG-Sitzung weiter angepasst, und ist derzeit in mittlerweile bearbeiteter Form Bestandteil des Textes.

Das Beispiel zeigt, dass im Einzelfall essentiell wichtige Normungsthemen seitens der Geschäftsstelle auch in letzter Minute unterstützt werden können, wenn auch mit massivem Einsatz und Ziehen aller Register. Ein derartiger „Husarenritt“ gelingt aber nicht immer, und ist in er Regel auch nicht notwendig. Zielführender ist es nach Expertenmeinungen, sich herstellerseitig frühzeitig in die Arbeiten einzuklinken, bzw. diese aufmerksam zu beobachten, und ggf. Eingaben zu machen, bevor es (fast) zu spät ist.

-    EN 415-4, Palettierer
Die Norm befindet sich ebenfalls auf dem Endspurt in die Umfrage, und nicht wenige hoffen, dass ihr dabei die Luft ausgeht. Denn das Schriftstück ist nach Meinung deutscher Experten (Spiegelausschussleitung: Thomas Gangkofner, BGN Mannheim), aber auch von bspw. UK-Experten keineswegs fortgeschritten genug dafür. So wurde beispielsweise in der letzten WG-Sitzung auf Anraten des anwesenden Consultant für „Machine Safety“ seitens des convenors der Anhang „Lärm“ ersatzlos gestrichen, weil der Consultant „Noise“ diesen ohnehin nicht akzeptieren würde. Eine vom nationalen Spiegelausschuss hat nun Anfang August 2017 in einer eingesetzten Ad-Hoc-Gruppe einen vielleicht wegweisenden Ansatz erarbeitet, der nach weiterer Klärung mit Lärm-Experten und eben dem Noise-Consultant dann über den Spiegelausschuss als Kommentar zum Enquiry eingereicht werden könnte. Der Ansatz ist deshalb so interessant, weil er recht unspezifisch daherkommt und nur bei sehr wenigen Aspekten speziell auf Arbeitsplätze oder Messpunkte an Palettierern abzielt. Würde sich der Ansatz bewähren, könnte er (ggf. in angepasster Form) durchaus für andere Maschinengruppen (Normen) der Reihe EN 415 herangezogen werden.

Normungsarbeit muss also nicht unbedingt trocken sein; sie kann vielmehr manchmal spannender werden, als einem lieb ist. Sollten Sie Interesse an einer Mitarbeit an den o.g. Projekten oder in der Sicherheitsnormung Verpackungsmaschinen (Normenreihe EN 415) generell haben, wende Sie sich bitte an die Geschäftsstelle.