Bäckereitechnik: Wirtschaftliche Entwicklung 2019-2020

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Die Produktion von Bäckereimaschinen verfehlte 2019 das sehr hohe Vorjahrsniveau um 7 Prozent. Das Jahr 2020 wird durch die Corona-Krise bestimmt.

Die Produktion von Bäckereimaschinen verfehlte 2019 das sehr hohe Vorjahrsniveau um 7 Prozent. Damit endete die dreijährige Wachstumsperiode bereits vor Beginn der Corona Pandemie, die im Geschäftsjahr 2020 deutliche Spuren hinterlassen wird.
Die Unternehmen der Bäckereimaschinenbranche produzierten im Jahr 2019 Maschinen und Anlagen im Wert von 627 Millionen Euro. Der Produktionswert fiel damit gegenüber dem Rekordjahr 2018 um 7 Prozent.
Die Entwicklung der Maschinenproduktion in den einzelnen Produktgruppen verlief 2019 uneinheitlich. Die Produktion von Backwarenherstellungsmaschinen sank um 21 Prozent unter den Wert des Vorjahres. Aufgrund des sehr hohen Vergleichswertes ist dieses Minus allerdings auch dem damit verbundenen Basiseffekt geschuldet. Die Nachfrage nach elektrischen Öfen blieb stabil. Die Produktion von nicht elektrischen Öfen sank um 5 Prozent. Der Verkauf von Einzel- und Ersatzteilen legte mit einem Plus von 17 Prozent deutlich zu, was auf Investitionsverschiebungen in Neumaschinen hindeutet.

Das Inlandsgeschäft ist für die Maschinenhersteller eine wichtige Säule des Erfolgs. Die Inlandsverkäufe der deutschen Hersteller von Bäckereimaschinen und Backöfen sanken 2019 zwar 18 Prozent unter das Allzeithoch aus 2018, waren mit 173 Millionen aber immer noch auf einem hohen Niveau. Die Bäckereimaschinenimporte fielen um 16 Prozent und erreichten ein Niveau von 97 Millionen Euro. Die Importe kamen vorrangig aus den Niederlanden, Italien, Schweiz, Japan, Österreich, China, Kanada, Dänemark, UK und Frankreich. In Summe investierten die deutschen Backwarenproduzenten 270 Millionen Euro in Neumaschinen.

Auslandsnachfrage etwas schwächer
Die Exporte der Branche ging 2019 um 4 Prozent auf 374 Millionen Euro zurück (ohne Berücksichtigung von Einzel- oder Ersatzteilen).
Zwei Drittel der deutschen Exporte von Bäckereitechnik wurden 2019 in die Länder Europas geliefert, davon 50 Prozent in die Europäischen Union. Das sehr hohe Niveau des Vorjahres wurde 2019 um 7 Prozent verfehlt. Besonders stark fielen die Lieferungen nach Frankreich, Spanien und Polen. Positive Impulse hingegen gab es aus Österreich und Schweden.
Die Exporte in die europäischen Länder außerhalb der EU blieben stabil. Die Lieferungen in den wichtigen Markt Russland gingen zwar wieder etwas zurück, waren aber weiterhin auf hohem Niveau. Eine starke Nachfrage kam wieder aus der Türkei und der Schweiz.

Die Maschinenexporte nach Nordamerika gingen 2019 um 28 Prozent zurück und landeten damit wieder auf dem Niveau von 2017. Insgesamt gingen 10 Prozent der Lieferungen in die Region. USA als wichtiger Markt blieb auf hohem Niveau, auch wenn die Vorjahreswert nicht erreicht wurden.
Nach Asien wurden 13 Prozent der deutschen Exporte geliefert. Diese verteilen sich jedoch auf eine Vielzahl von Märkten, deren Entwicklungen sehr volatil verlaufen. Einen deutlichen Anstieg gab es nur nach Ostasien mit China als Wachstumstreiber. Japan blieb stabil. Impulse kamen zudem aus Taiwan, Indonesien, Thailand, Malaysia, und den Philippinen.

Aus Lateinamerika kamen im vergangenen Jahr kaum Impulse. Positive Ausnahme war Mexiko. Der Anteil der Region blieb bei 3 Prozent. Noch geringer fiel der Anteil Afrikas aus. Nur 1 Prozent der Exporte gingen in den Kontinent. Die Exporte in den Nahen Mittleren Osten stiegen deutlich, so dass sich der Anteil der Region auf 6 Prozent belief. Die Maschinenlieferungen in den Iran stiegen aufgrund mehrerer Großprojekte sprunghaft. Weitere Investitionen in Bäckereitechnik wurden in Israel, Aserbaidschan und dem Irak realisiert.
Die Top 10 Auslandsmärkte 2019 für die deutschen Bäckereimaschinenbauer waren in dieser Reihenfolge USA, Österreich, Polen, Russland, Schweden, Niederlande, Frankreich, Schweiz, China und Spanien.

Europäischer und internationaler Außenhandel
Die Exporte der EU-27 insgesamt ging 2019 um 1,2 Prozent zurück. Neben Deutschland verzeichneten die Hersteller aus Italien (-8 %) ebenfalls einen Rückgang, während die Lieferländer Niederlande, Österreich und Frankreich ihren Außenhandel jeweils leicht steigern konnten. Weiterhin stehen die EU 27 Länder, für insgesamt etwa 80 Prozent des Weltmaschinenhandels bei Bäckereimaschinen.
Italien bleibt mit großem Abstand Lieferland Nummer 1 von Bäckereimaschinen, gefolgt von Deutschland. Es folgen die Niederlande, Österreich, Dänemark, Belgien, Tschechien, Spanien und Ungarn.
Neben den EU-Ländern haben die US-amerikanischen, japanischen und die chinesischen Hersteller nennenswerte Anteile am globalen Bäckereimaschinenhandel. China konnte seine Exporte 2019 um 22 Prozent deutlich steigern, währen die Exporte aus USA und Japan leicht zurück gingen.

Corona Pandemie prägt 2020
Die aktuelle Situation ist für alle Wirtschaftszweige, die Investitionsgüterindustrie und damit auch für den Bäckereimaschinenbau eine große Herausforderung und durch die Auswirkungen Corona Pandemie geprägt.
Vor dem Hintergrund einer abflachenden Dynamik beim Bestelleingang bereits seit Ende 2019 ist die Auslandsnachfrage nach Bäckereimaschinen im Jahr 2020 deutlich eingebrochen. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres fielen die Exporte um 25 Prozent unter das Niveau des Vorjahres. In diesem Minus schlagen sich auch erste Verzögerungen bedingt durch organisatorische Anpassungen in der Produktion, der Logistik bis hin zu Reise- und Aufenthaltsbeschränkungen nieder, die die Auslieferung und Abnahme von Anlagen erschweren oder teilweise unmöglich machen.

Bezogen auf den aktuellen Auftragseingang hat die Corona-Krise bislang erwartungsgemäß tiefe Spuren in den Orderbüchern aller Fachzweige des Maschinenbaus hinterlassen. Die Bestellungen gingen immer weiter nach unten und brachen im April um bis zu 30 Prozent ein und zeigten damit den stärksten Rückgang seit der Finanzkrise 2008/2009.
Besonders das Auslandsgeschäft wird auch in den nächsten Monaten deutlich belastet sein. Unsicherheiten über die weiteren Entwicklungen im Kontext der Corona Pandemie sorgen für massive Zurückhaltung bei Investitionen, Projekte werden verschoben oder auf Eis gelegt.

Auch die Kunden in Deutschland halten sich zurück. So zeigt der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts für die Branche „Herstellung von Backwaren und Teigwaren“ im April 2020 den tiefsten Wert seit Aufzeichnung der Daten. Im Juni kehrte ein wenig Optimismus hinsichtlich der Geschäftserwartungen der Produzenten von Backwaren zurück, das heißt die Einschätzung fällt nicht mehr ganz so negativ aus.

Im heterogenen Bereich Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen – zu dem der Bäckereimaschinenbau als eine der wichtigsten Teilbranchen gehört - ist derzeit keine Umsatz-Prognosen für 2020 möglich. Zu unsicher sind die Entwicklungen in den verschiedenen Märkten. Die Umsatzeinbußen für das laufende Jahr werden derzeit von den meisten Unternehmen des Fachzweigs auf bis zu Minus 20 Prozent geschätzt.
Gemäß einer VDMA Umfrage zu den Aussichten für 2021/2022 im Kontext der Corona-Pandemie, gaben fast 50 Prozent der Unternehmen im Fachzweig Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen an, dass 2021 eine Rückkehr des Umsatzes auf das Vorkrisen-Niveau möglich sei. 44 Prozent glauben, dass die Erholung erst 2022 eintritt.

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