13 Fragen an Michael Matthiass - Trainer für kreatives Texten

Michael Matthiass

13 Fragen an Michael Matthiass - Trainer für kreatives Texten

Kühe mit der Hand gemolken, Buchhaltung für ein Jazzlabel erledigt, Brahms Requiem dirigiert, Werbung bei Jung von Matt gemacht - es gibt kaum etwas, das Michael Matthiass noch nicht gemacht hat. Heute ist er Autor und freier Kreativdirektor. Und: einer der gefragtesten Text-Trainer. Wir haben mit ihm über guten Stil gesprochen und darüber, was einen Text spannend macht.

 

Herr Matthiass, was macht einen guten Text aus?
Das ist leicht: Ein Text ist dann gut, wenn der Leser nicht merkt, dass er liest.

Wie schreibe ich spannende Texte, die gerne gelesen werden?
Indem man so schreibt, dass man es selbst spannend findet. Wir haben alle eine sehr klare Wahrnehmung davon, wie gut ein Text ist – wir hören nur meistens nicht darauf.

Ob in der Kunst, in der Werbung, in der Psychotherapie oder in Unternehmen: Storytelling ist in aller Munde und mir scheint, dass es zur Mode geworden ist. Warum sind Geschichten so wichtig?
Weil sie keine Mode sind, sondern die einzige nachhaltige und zuverlässige Art der Datenübermittlung zwischen Menschen.

Wie funktionieren Geschichten? Was sind Geschichten überhaupt? Und warum können wir ohne sie nicht leben?
Die Antwort passt vielleicht in ein sehr dickes Buch, aber nicht hierher. Vielleicht reicht es für´s Erste zu akzeptieren, dass wir in der Tat in mehrfacher Hinsicht ohne sie nicht leben können und dass wir alle wissen, wie sie funktionieren, denn wir erzählen ständig welche.

Wenn Sie einen Text schreiben: Wie gehen Sie da vor?
Bei Sachthemen tauche ich vorher in das Thema ein, recherchiere, notiere, surfe. Je mehr ich über ein Thema weiß, desto besser wird der Text. Bei freien Themen gehe ich innerlich mit dem Thema schwanger, ganz entspannt, über eine Weile, denke mal hier daran, mal dort, umkreise es, lasse es wachsen.

Was machen Sie, bevor Sie mit dem Schreiben loslegen?
Das eben beschriebene. Und: Mich drücken.

Was ist beim Schreiben das Wichtigste?
Anfangen. Der Rest kommt.

Was inspiriert Sie beim Schreiben?
Alles, was ich während des Nichtschreibens getan, gesehen, gelesen, erlebt habe, Kunst, Filme, Bücher, Menschen, Landschaften, Gebrauchsanweisungen, einfach alles.

Wenn ich über immer wiederkehrende Sachverhalte, z.B. über Messen, Konjunktur oder technische Produkte berichten muss: Wie kann ich da für Abwechslung sorgen, um nicht immer das Gleiche (Langweilige) zu schreiben?
Genauer hinsehen! Es gibt keine langweiligen Themen und es sind niemals Themen identisch, auch wenn sie letztes Jahr schon auf dem Tisch lagen. Irgendetwas ist immer anders und seien es die Zeitläufte drumherum. Wenn man das gefunden hat, hat man einen Ansatz für eine Idee.

Kann man guten Stil lernen?
Bis zu einem gewissen Grad. Aber jenseits der allseits bekannten und nachschlagbaren Regeln kommt dann der Bereich, wo nicht erlernbare Dinge wie Talent, Rhythmusgefühl, Inspiration, Instinkt die Herrschaft übernehmen.

Was sollte ich beim Schreiben auf jeden Fall vermeiden?
Listen mit Do´s und Don´ts.

Welche Anregung möchten Sie unseren Lesern fürs Schreiben mitgeben?
Hören Sie auf Ihr eigenes Textgefühl. Das ist einerseits leichter, als man denkt, weil man nur seinem ersten Impuls bei der Beurteilung des Textes folgen muss, andererseits viel schwerer als man denkt, weil man dann meistens sehr viel ändern muss. Wenn ich einen größeren Text fertig habe, gehe ich noch 40-50 mal über das Geschriebene drüber, feile hier, poliere dort, bis sich wirklich alles rund anhört.

Welche 3 Bücher sollte jeder Texter gelesen und welche 3 Filme gesehen haben? Und warum?
Filme ist leicht (ich zähle mal Tri- und Septologien als „ein Film“): Herr der Ringe, Star Wars, Harry Potter, weil alle diese Filme kennen.

Bücher? Keine Ahnung. So viele Texte wie möglich, so unterschiedliche Texte wie möglich: Stuckrad Barre, die Bibel, Bill Bryson, Goethes Faust, die Kolumnen von Stefan Schwarz in „Das Magazin“, alles in „11 Freunde“, Robert Frost, Erich Fried, Songtexte von Sarah Bareilles und Reinhard Mey, das Morning Briefing von Gabor Steingart (Handelsblatt) und ALLES andere. Texter sollten immer lesen.

 

Herzlichen Dank für das Interview!

 

Michael Matthias ist 50 Jahre. Mit seiner Familie lebt er in einem sehr alten, selbst renovierten Haus in Hamburg. Hier erfahren Sie mehr über ihn und seine Arbeit: www.quantenschokolade.de.

Die Fragen stellte Margret Menzel.

 

Ein Text ist dann gut, wenn der Leser nicht merkt, dass er liest.

Wenn ich einen größeren Text fertig habe, gehe ich noch 40-50 mal über das Geschriebene drüber, feile hier, poliere dort, bis sich wirklich alles rund anhört.