11 Fragen an Henning Patzner - Trainer für Kreativität & Innovation

Henning Patzner

Henning Patzner (geboren 1973) ist Trainer für Kreativität und Innovation. Als Regisseur, Texter, Creative Director und Kreativitätsgeschäftsführer sammelte er fast 20 Jahre lang Erfahrungen in der Kreativbranche. Bei preisgekrönten Werbeagenturen wie Jung von Matt, Saatchi & Saatchi, Grabarz & Partner, Scholz & Friends und Serviceplan war er mitverantwortlich für viele erfolgreiche Marketingkampagnen, z.B. für BMW, T-Mobile, Volkswagen, Tchibo, Miele, die HypoVereinsbank und den Disney Channel.

Herr Patzner, was macht einen kreativen Menschen aus?
Die erfolgreichsten Kreativen sind vor allem passionierte Macher. Außerdem sind es Menschen, die in sich Gegensätze vereinen. Wenn jemand also beispielsweise sehr gerne diszipliniert arbeitet, aber seine Lust am Spielen immer noch nicht verloren hat. Oder jemand der sich gerne als hip und cool darstellt, sich auch mal albern oder sogar kindisch verhält.

Ist jeder Mensch kreativ? Und wie kann man Kreativität lernen?
Das ist wie beim Sport. Manche Menschen sind sportlich, manche nicht. Aber wer ins Fitness-Studio geht, kann versuchen sportlicher zu werden. Was aber jede Firma lernen kann ist, wie kann man Kreativ- bzw. Innovationsprozesse intern optimiert.

Was fördert Kreativität?
Die Fähigkeit unterschiedliches Wissen miteinander zu kombinieren. Außerdem Neugier und eine gewisse Prise Selbstironie. Und am aller Wichtigsten: man braucht eine Machermentalität. Was nützt einem die schönste Idee, wenn sie niemals umgesetzt wird?

Was blockiert Kreativität?
In einer Firma: hierarchische Strukturen. Denn hierarchische Strukturen bedeuten lange Wege. Und je länger die Wege sind, desto größer ist die Gefahr, dass etwas zerredet wird. Und das schadet den kreativen Ideen. Privat: Angst.

Wie geht man bei der Ideenfindung mit Zeitdruck um? Begünstigt er die Kreativität vielleicht sogar?
Absolut. Zeitdruck ist ein Ideenturbo. Man darf’s natürlich nicht übertreiben.

Es ist besser etwas zu machen, als etwas sein zu lassen.

Wie sieht ein perfektes Kreativitäts-Team aus?
Die Menschen in der Gruppe sollten sich riechen können und am besten auch unterschiedliche Ausbildungshintergründe haben. Generell kann man sagen, dass es vier Ausdenktypen gibt: den Strategen, den Ideengenerierer, den Ideenoptimierer und den Macher. Die Mischung aus diesen vier Typen macht den Erfolg aus. Vier Ideenoptimierer auf einem Haufen sind beispielsweise nicht so effektiv in Ideensessions, als wenn die Gruppe gemischt wäre.

Warum soll beim Brainstorming ein Team klein sein?
Sobald eine Gruppe zu groß ist (zum Beispiel größer als vier Personen) beginnen sich einzelne Menschen hinter der Gruppe zu verstecken, denn sie wissen: es zählt das Gruppenergebnis, nicht mein Ergebnis. Das nennt man Social Loafing (Soziales Faulenzen), was so viel heisst, dass man nur so tut, als ob man alles gibt. Ist die Ausdenkgruppe jedoch klein (zum Beispiel 1er-, 2er-, 3er- oder 4er-Teams) dann ist die Leistung jedes einzelnen sichtbar. Keiner kann sich hinter der Gruppe verstecken. Und wenn alle wirklich mitmachen, ist man produktiver.

Wie kann ich als Unternehmen die Kreativität der Mitarbeiter fördern?
In dem man eine Kreativ- bzw. Innovationskultur etabliert. Und da gibt es ganz viele Ansätze. Zum Beispiel sind häufig die Unternehmen besonders kreativ, wo Innovation vom CEO persönlich vorgelebt wird. Firmen in denen sich alle lieb haben, wo alles harmonisch ist und wo ein chronischer Kuschelkurs gelebt wird, sind dagegen weniger innovativ. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Was können Inspirationsquellen für gute Ideen sein?
Eigentlich alles. Da wir uns gerade im Zeitalter der digitalen Transformation befinden, finde ich es allerdings essentiell, dass sich Firmen und Mitarbeiter regelmäßig über digitale Technologien informieren und austauschen.

Was war im Hinblick auf Kreativität der wertvollste Tipp oder die wertvollste Methode, die Sie jemals bekommen haben?
Ich hin ein großer Fan von Cross Innovation, dass sich also zwei unterschiedliche Produkte miteinander kreuzen und dann mal sehen, was da so Neues entstehen kann. Milka Schokolade hat sich beispielsweise mal mit Philadelphia Frischkäse gekreuzt. Sehr lecker.

Was ist Ihre „Goldene Regel“?
Es ist besser etwas zu machen, als etwas sein zu lassen.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

Mehr unter www.henningpatzner.com und www.creativeexplosion.de.

weiterführende Literatur:

Evelyn Boos "Das große Buch der Kreativitätstechniken", Compact

Henning Patzner "Creative Explosion - Neue Sprengkraft für Ideen, Innovationen und Kreativprozesse", Campus Verlag, ab 2. Oktober 2014 im Handel

 

Das Gespräch führte Margret Menzel, Referentin für Marketing & Kommunikation beim VDMA Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen.