10 Fragen an Olaf Piepenbrock, geschäftsführender Gesellschafter der Piepenbrock Unternehmensgruppe und Vorstandsmitglied der Fachabteilung Verpackungsmaschinen

Piepenbrock Unternehmensgruppe

Olaf Piepenbrock ist Vorsitzender des Industriellen Arbeitgeberverband Osnabrück-Emsland- Grafschaft Bentheim, Mitglied im Präsidium der Unternehmerverbände Niedersachen e.V., Mitglied des Vorstands im VDMA Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen sowie geschäftsführender Gesellschafter der Piepenbrock Unternehmensgruppe. Der Diplomkaufmann trat 1996 in das Unternehmen ein und trägt dort seit dem Jahr 2000 als geschäftsführender Gesellschafter die Verantwortung für die Unternehmensgruppe.

Beschreiben Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen macht.
Die Piepenbrock Unternehmensgruppe ist ein in vierter Generation inhabergeführtes Familienunternehmen, das 1913 gegründet wurde und mit über 26.500 Mitarbeitern in Deutschland zu den Marktführern im Bereich Facility Management, Gebäudereinigung, Sicherheitsdienste und der Industrieinstandhaltung zählt. Mit den beiden Tochterunternehmen Loesch und Hastamat gehört sie zu den weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Verpackungsmaschinen und –anlagen für die Süßwaren-, Backwaren- und Snackindustrie.

Warum engagieren Sie sich im VDMA?
Der VDMA vertritt als professioneller Verband glaubwürdig die Interessen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus und ist eine hervorragende Plattform des Interessenaustausches. Hervorzuheben ist die ausgezeichnete Beratung, die Aufarbeitung von Informationen, die Bereitstellung von Benchmarks und die Unterstützung bei den weltweiten Messen. Deshalb bringe ich mich schon seit fast 15 Jahren sehr gerne in das Ehrenamt ein.

Wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage?
Die aktuelle wirtschaftliche Lage ist positiv, hängt allerdings sehr stark von den globalen politischen Rahmenbedingungen ab, die nicht unbedingt stabiler geworden sind. Es gibt viele Themen, wie z.B. das Handelsabkommen mit den USA, volatile Währungen und Märkte, der Brexit sowie Sanktionen, die eine wichtige Rolle für den Export spielen. Gerade diese exogenen Faktoren sind die wesentlichen Herausforderungen, die aber nicht auf Unternehmensebene, sondern nur politisch gelöst werden können.

Um die wirtschaftliche Lage positiv aufrecht zu halten, brauchen wir offene Märkte, die unsere Wettbewerbsfähigkeit immer wieder neu auf die Probe stellen. Wir brauchen in Deutschland weniger statt mehr Bürokratie. Wir brauchen eine Verkehrspolitik, die eine bessere Erreichbarkeit sicherstellt und die die Infrastruktur zügig erneuert.

Und auch die digitale Infrastruktur hat noch Luft nach oben: Wir brauchen ein schnelleres Datennetz. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland bei der Internetgeschwindigkeit hinter Ländern wie Rumänien, Tschechien, Litauen, oder Spanien auf Platz 25, das ist kaum zu fassen.

Als Risiko für unsere wirtschaftliche Lage sehe ich den Bereich Personal. Hier sind nicht nur die Demografie ein zunehmendes Problem, sondern insbesondere die hohen Lohnzusatzkosten. Unser Sozialstaat wird zum Zukunftsrisiko, da die Sozialausgaben in Höhe von 965,5 Mrd. die Billionen-Euro-Grenze erreichen und übersteigen. Seit 2015 wächst der Sozialstaat sogar schneller als die Wirtschaft. Die Unternehmen werden erheblich zusätzlich belastet wie zum Beispiel durch die paritätische Finanzierung der Krankenkassenbeiträge oder die Erhöhung des Beitrags der Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte. Tatsache ist, dass die Menschen heute weniger arbeiten als je zuvor. Der befristete Anspruch auf Teilzeit führt dazu, dass wir höheren organisatorischen Aufwand haben und noch kürzer arbeiten. Aus meiner Sicht brauchen wir auch mit Blick auf den Fachkräftebedarf und die Demografie nicht weniger, sondern mehr Arbeit – insbesondere Arbeit, die unseren Fähigkeiten und Bedürfnissen entspricht. Längere Lebensarbeitszeiten wären sinnvoll.

Was war aus Ihrer Sicht die größte Innovation der letzten Jahre?
Die Erfindung des Smartphones ist aus meiner Sicht eine der größten Innovationen, weil hierdurch das Kommunikationsverhalten weltweit grundsätzlich verändert wurde und jederzeit vielfältige Informationen aktuell verfügbar und neue Geschäftsmodelle entstanden sind.

Um die wirtschaftliche Lage positiv aufrecht zu halten, brauchen wir offene Märkte, die unsere Wettbewerbsfähigkeit immer wieder neu auf die Probe stellen.

Worin sehen Sie die wichtigsten Zukunftsaufgaben für die Branche?
Die Digitalisierung ist eine wichtige Zukunftsaufgabe, um dadurch schneller und flexibler zu werden und einen Kundennutzen zu schaffen. Darüber hinaus müssen wir durch Innovationen unsere Kunden und Märkte begeistern. Und last but not least müssen wir durch Ausbildung und Qualifizierung den Fachkräftebedarf abdecken.

Wofür bzw. worin sehen Sie Innovationspotentiale?
Die Digitalisierung wird uns sukzessive neue Innovationspotentiale dynamisch eröffnen, die wir teilweise noch gar nicht kennen. Die intelligente Maschine wird hierbei die Bedienbarkeit erleichtern und eine hohe Nutzungsflexibilität sicherstellen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Menschen am meisten?
Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit und Loyalität.

Was ärgert Sie im beruflichen Alltag am meisten?
Wenn mich etwas im beruflichen Alltag ärgern würde, hätte ich etwas falsch gemacht, denn Beruf kommt von Berufung.

Wer ist Ihr Vorbild und warum?
Ich habe eine einzelne Person nicht als konkretes Vorbild sondern halte es lieber mit den unternehmerischen Grundtugenden: Fleiß und Leistungswille, Verantwortung, Verlässlichkeit, Erfolgsorientierung, unternehmerische Risikobereitschaft, Nachhaltigkeit, Durchhaltevermögen, Offenheit sowie Ehrlichkeit.

Was war der klügste Rat, den Sie jemals bekamen?
Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden.