10 Fragen an Henrik Oevermann, Geschäftsführer der DIOSNA Dierks & Söhne GmbH und Vorstandsvorsitzender der Fachgruppe Bäckereimaschinen

Diosna

Henrik Oevermann ist seit 2018 Geschäftsführer der DIOSNA Dierks & Söhne GmbH.
Zuvor war er seit 2011 als kaufmännische Leiter bei DIOSNA, mit zusätzlicher Verantwortung für den Bereich Bäckereitechnik seit 2014. In dieser Funktion verantwortete er den Zukauf und die Integration der Isernhäger GmbH & Co. KG.
Zuvor hatte er Managementfunktionen in der Siemens AG inne.

Sein Studium absolvierte er an der Universität Lüneburg und University of Queensland (Australien) im Bereich Management & Economics.

Beschreiben Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen macht.
Als DoughExperts liegt der Schwerpunkt der DIOSNA in der Biotechnologie,
Anlagen-& Maschinentechnik für die Vorteig- und Teigherstellung von Backwaren.
Als PharmaExperts kümmern wir uns um Granulationsprozesse und weitere Kernschritte in der Tablettenherstellung unter GMP (Good Maufacturing Practice) Bedingungen.

Warum engagieren Sie sich im VDMA?
Aus meiner Sicht verändert sich die Welt und unsere Branche mit zunehmender Geschwindigkeit, da kann man als einzelnes Unternehmen schnell den Überblick verlieren. Durch die Zusammenarbeit von ähnlich gelagerten Unternehmen im VDMA bekommt man einen schärferen Blick auf diese Entwicklungen und kann durch den Verband eine Stimme formen, welche national und auch international Gehör findet.

Wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage?
Die VDMA Statistik vom Dezember zeigt, dass die Zeiten starken Wachstums erstmal vorbei sind. Die politischen Vorzeichen sind für mich national wie auch international schwer zu deuten. Das sah vor 24 Monaten noch erheblich stabiler aus. Die daraus resultierende Unsicherheit schlägt sich aktuell in den Märkten nieder. Da unsere Kunden gute Unternehmer sind, werden sie jedoch auch in solchen Zeiten weiter investieren, um ihren Wettbewerbsvorteil zu sichern. Sehr entscheidend werden neben den Handelsrisiken die Zinsniveaus nebst Risikozuschlägen der Banken sein.

Was war aus Ihrer Sicht die größte Innovation der letzten Jahre?
Bezogen auf DIOSNA war dies der Aufbau einer Biotechnologiesparte aus der ehemaligen IsernHäger heraus. Diese kümmert sich um Fermentationsprozesse und dazugehörige Biotechnologien mit Starterkulturen DIOStart®. Dieses Thema in einem klassischen VDMA Unternehmen wie DIOSNA zu verankern stellt keine ganz leichte Führungsaufgabe dar.

Bezogen auf die Branche erzeugt die Digitalisierung aktuell die größten Innovationen. Für mich ist es erstaunlich, wie viele digitalen Werkzeuge sich mittlerweile als Standard etablieren, von denen man vor Jahren noch nichts gehört hat.

Worin sehen Sie die wichtigsten Zukunftsaufgaben für die Branche?
Der Umgang mit der Digitalisierung wird unsere Branche vor neue Herausforderungen stellen. Automatisierte Produktionsprozesse benötigen zwar weniger Personal, dafür jedoch höher qualifiziertes. Im Zweifel gewinnt nicht derjenige mit den größten Anlagen, sondern wer es schafft, qualifiziertes Personal zu entwickeln und zu halten. Aus meiner Sicht schwinden Größenvorteile gerade durch die Digitalisierung, gepaart mit dem höheren Anspruch an Führung. Größe wird sich dabei vielleicht sogar in einen Nachteil umkehren. Ich meine, das lässt sich aktuell schon am Beispiel einiger Industriebetriebe erkennen. Zum Glück gibt es auch Unternehmen, die das als Chance begreifen und starkes Wachstum erfahren.

Im Zweifel gewinnt nicht derjenige mit den größten Anlagen, sondern wer es schafft, qualifiziertes Personal zu entwickeln und zu halten.

Wofür bzw. worin sehen Sie Innovationspotentiale?
Beim Thema Human-Machine-Interface (HMI) gibt es noch viel Aufholbedarf für die Branche. Man braucht sich nur vorstellen wie kompliziert es ist, die Industrieanlage einer Bäckerei im Vergleich zu einem Tablet für die Haustechnik zu bedienen. Um dieses Thema wird aus meiner Sicht eine Industrie mit neuen Anbietern entstehen, welche es heute noch nicht gibt. Hoffentlich getrieben von Menschen, die heute in deutschen Hörsälen sitzen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Menschen am meisten?
Ehrlichkeit, Offenheit und Zuverlässigkeit.

Was ärgert Sie im beruflichen Alltag am meisten?
Wenn die Kalenderplanung nahezu lückenlos die Termine für die nächsten Wochen vorgibt, ist das frustrierend. Ärgern kann ich mich in solchen Fällen über mich selbst, es steht ja nirgends geschrieben, dass man Einladungen immer annehmen muss.

Wer ist Ihr Vorbild und warum?
Bisher waren dies bei mir wechselnde Vorbilder. Als Junge orientiert man sich stark an Eltern und Großeltern, im Berufsleben wurde ich durch meine Tätigkeit bei Siemens zu Zeiten Heinrich von Pierer‘s stark geprägt. Die Ansammlung von so vielen hochkarätigen Führungskräften hat mich nachhaltig geprägt. In letzter Zeit versuche ich durch einen Blick in die Vergangenheit mögliche Alternativen für die Zukunft zu durchdenken. Die ESSAIS von Michel de Montaigne beindrucken mich und bilden dafür einen guten Start, auch wenn seine Schriften fast 500 Jahre alt sind.

Was war der klügste Rat, den Sie jemals bekamen?
Menschen richten ihre Aufmerksamkeit nur auf Dinge, die ihnen wirklich wichtig sind, hat mir einmal jemand gesagt. Womit wir wieder bei Frage 8 wären…