Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen: Branchenentwicklung 2019-2020

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Mit der Corona Pandemie endete 2020 eine zehnjährige Wachstumsphase für den Maschinenbaufachzweig Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen. Der Rückgang der Maschinenproduktion wird nach bislang vorliegenden Daten bei rund 10 Prozent liegen. Damit ist die Branche deutlich weniger stark von der Corona Pandemie betroffen als viele andere Maschinebaufachzweige.

Mit der Corona Pandemie endete 2020 eine zehnjährige Wachstumsphase für den Maschinenbaufachzweig Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen. Der Rückgang der Maschinenproduktion wird nach bislang vorliegenden Daten bei rund 8 Prozent liegen. Damit ist die Branche deutlich weniger stark von der Corona Pandemie betroffen als viele andere Maschinebaufachzweige.

Produktionsrekord im Jahr 2019
Die Hersteller von Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen konnten seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Maschinenproduktion dank stabilem Inlandsgeschäft und dynamisch wachsender Auslandsnachfrage kontinuierlich steigern. Im Zeitraum von 10 Jahren wuchs die Maschinenproduktion insgesamt um 55 Prozent.

Vor allem Jahr 2018 war für den deutschen Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbau von einem außerordentlich dynamischen Wachstum geprägt. Die Maschinenproduktion stieg um 8 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Eine so hohe Wachstumsrate wurde zuletzt nach der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht.

2019 wurde das bereits hohe Niveau nochmals um rund 1 Prozent übertroffen und erreichte 15,3 Milliarden Euro. Gemessen am Produktionswert lag der Nahrungsmittelmaschinen- und Verpackungsmaschinenbau damit 2019 auf Rang 4 unter den 34 Fachzweigen des deutschen Maschinenbaus und hatte einen Anteil von knapp 7 Prozent an der gesamten deutschen Maschinenproduktion.

Knapp die Hälfte der Maschinenproduktion entfällt regelmäßig auf Verpackungsmaschinen. Die andere Hälfte auf den heterogenen Nahrungsmittelmaschinenbau, dabei tragen die Hersteller von Fleischverarbeitungsmaschinen mit über 1,2 Milliarden Euro den größten Teil zum Produktionswert bei. Es folgen Bäckereimaschinen, Getränkeherstellungsmaschinen und Süßwarenmaschinen.

 

Triebfeder der positiven Entwicklung im Jahr 2019 war eine schwungvolle Investitionstätigkeit im Inland und eine anhaltend starke Auslandsnachfrage gleichermaßen. Die Exporte von Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen in viele wichtige Märkte, allen voran in die USA, in zahlreiche EU-Länder, aber auch nach Russland stiegen teilweise mit zweistelligen Wachstumsraten. 2019 exportierte die Branche Maschinen und Anlagen im Wert von über 9,1 Milliarden Euro in über 100 Länder.

Hauptabsatzregion waren die EU mit 36 Prozent Anteil, gefolgt von Asien (17 Prozent), der Region Sonstiges Europa (15 Prozent), Nordamerika (14 Prozent), Lateinamerika (7 Prozent), Afrika (5 Prozent), Naher Mittlerer Osten (4 Prozent) und Australien-Ozeanien (2 Prozent). Die wichtigsten Absatzmärkte für die deutschen Hersteller 2019 waren in der Nennung der Reihenfolge USA, China, Frankreich, Polen, UK, Niederlande, Russland, Spanien, Schweiz, Österreich.

International konnte der Fachzweig Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen 2019 seine führende Position im Außenhandel mit einem Anteil von 21 Prozent behaupten. Knapp dahinter lag Italien mit 20 Prozent Anteil und dann folgen mit größerem Abstand China, Niederlande und die USA mit Anteilen zwischen 6 und 8 Prozent.

In einzelnen Teilbranchen sind die Anteile der deutschen Hersteller am internationalen Außenhandel regelmäßig wesentlich höher: 2019 lieferten sie beispielsweise 35 Prozent der weltweit gehandelten Süßwarenmaschinen, 28 Prozent der Fleischverarbeitungsmaschinen und 27 Prozent der Verpackungsmaschinen.

Die Corona-Krise setzte einen vorläufigen Schlusspunkt hinter die 10-jährige Wachstumsphase. Zwar waren viele Unternehmen mit einem guten Auftragsbestand ins Jahr 2020 gestartet. Nach den zum Zeitpunkt der Berichterstellung vorliegenden Daten, sank die Produktion von Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen im 1. Halbjahr 2020 um 12 Prozent. Im Vergleich zu vielen anderen Maschinenbaufachzweigen ist das Minus noch als moderat zu bezeichnen. Zudem war der Referenzwert des Vorjahres wie zuvor beschrieben hoch.

Gemäß der Außenhandelsdaten des Statistischen Bundesamtes Januar bis Oktober 2020 gingen die Exporte in diesem Zeitraum um 8 Prozent zurück. Somit ist für das gesamte Jahr auf jeden Fall mit einem Minus zu rechnen, aber es wird relativ klein ausfallen, da im November und Dezember mit höheren Auslieferungen zu rechnen ist.

In den einzelnen Teilbranchen verlief die Entwicklung des Exportgeschäfts höchst unterschiedlich: Die Hersteller von Verpackungsmaschinen verzeichneten im bisherigen Jahresverlauf ein Minus von 5 Prozent. Fleischverarbeitungsmaschinen ein Minus von 4 Prozent, Bäckereimaschinen ein Minus von 8 Prozent. Bei Süßwarenmaschinen lag das Minus bei 22 Prozent und bei Brauereimaschinen war es ein Minus von 41 Prozent. Allerdings waren in diesen beiden Bereichen die Referenzwerte des Vorjahres auch außerordentlich hoch. Die starke Betroffenheit des Brauereimaschinenbereichs ist eine direkte Folge der Corona bedingten eingeschränkten bzw. völlig zum Erliegen gekommenen Geschäftstätigkeit der Gastronomie.   

Regional betrachtet, sind die Auslandslieferungen in nahezu alle Wirtschaftsregionen eingebrochen. Ausnahme mit positiver Entwicklung war im Betrachtungszeitraum Januar bis Oktober 2020 vor allem Nordamerika. Die deutschen Lieferungen stiegen insbesondere in die USA um 8 Prozent auf über 1 Milliarde Euro. Weitere Regionen mit positiver Entwicklung waren Mittelamerika mit Mexiko als wichtigsten Markt und Ostafrika mit starken Impulsen aus Nigeria. Beide Regionen haben allerdings nur einen Anteil von rund 3 Prozent an den Gesamtausfuhren.

Der Auftragseingang im Fachzweig Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen verlor bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 an Dynamik, wurde zu Beginn des Jahres 2020 schwächer und erreichte im April seinen Tiefpunkt. Seither wurden die Minusraten zwar kleiner und seit August sind die Bestellungen aus dem Ausland wieder deutlich gestiegen. Dennoch wird der Auftragseingang im Gesamtjahr 2020 mit einem einstelligen Minus unter dem Vorjahr bleiben.

Für das Jahr 2020 geht der Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen somit von einem Produktionsminus zwischen 8 und 10 Prozent aus.

Für 2021 ist nach derzeitiger Einschätzung eine Rückkehr in Richtung Niveau von 2019 nicht sehr wahrscheinlich. Denn noch ist unklar, wie die konjunkturelle Entwicklung in den nächsten Monaten verlaufen wird. Viel hängt vom Infektionsgeschehen und den staatlichen Maßnahmen diesbezüglich ab. Viele Projekte wurden und werden weiterhin verschoben, da die Schwierigkeiten in der Abwicklung u.a. im Zusammenhang mit Reiserestriktionen und die Investitionsbereitschaft schlichtweg hemmen.

Die generellen Aussichten für die Branche – abgesehen von den Corona bedingten Einschränkungen – sind weiterhin gut, denn anders als die Zulieferer der Automobilindustrie haben die Hersteller von Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen nicht zusätzlich mit einer strukturellen Krise zu kämpfen.

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